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Sonderschauen
Ein Highlight mit Tradition
„Was ist das Thema der Sonderschau?“ – Diese Frage gehört Jahr für Jahr zu den meistgestellten im Vorfeld der Bremen Classic Motorshow. Und das völlig zu Recht, denn die aufwendig kuratierten Sonderschauen gehören seit vielen Jahren zu den festen Publikumsmagneten der Messe.
Was in Halle 5 mit außergewöhnlichen Automobilen begann, wurde wenig später auch für die Motorräder in Halle 1 übernommen – mit durchschlagendem Erfolg. Beide Ausstellungsbereiche präsentieren themenbezogene Raritäten, die Fachleute und Liebhaber gleichermaßen faszinieren.
Im Mittelpunkt steht dabei immer die Idee, besonders seltene Originale sowie herausragende Entwicklungen in Technik und Design erlebbar zu machen. Jedes Jahr entstehen neue, exklusive Themen, für die im In- und Ausland nach passenden Exponaten recherchiert wird. So entstehen Ausstellungen, die Wissen vermitteln, Emotionen wecken und Erinnerungen lebendig halten – und die die Bremen Classic Motorshow über viele Jahre hinweg mitgeprägt haben.
Das Beste aus zwei Welten
„Doch in den ´50er-Jahren keimte eine Alternative, mit der mutige Unternehmer zu Luxusautofabrikanten aufstiegen“ erzählt Frank Ruge, Projektleiter der Bremen Classic Motorshow. „Großvolumige V-Achtzylinder amerikanischer Massenproduktion, die für kleines Geld viel Leistung aus noch mehr Hubraum schöpften und den etablierten Vollblütern tüchtig einheizten.“ Auf der großen Klassiker-Messe an der Weser, die vom 5. bis 7. Februar 2027 zum nunmehr 25. Mal die Oldtimer-Saison startet, wird dieser besonderen Fahrzeugklasse der rote Teppich ausgerollt: mit der großen Sonderausstellung „Europas V8-Supercars mit US-Herz“.
Autoquartett-Supertrümpfe erstmals live Nie zuvor ereignete sich auf deutschem Boden ein derartiges Stelldichein einstiger Autoquartett-Helden, die selbst verwöhnte Enthusiasten bislang nur in Papierform kannten, betont Frank Ruge – „kein Wunder angesichts der damaligen Supertrümpfe, die in minimalen Stückzahlen gebaut wurden. Wie der 68-mal gefertigte Iso Grifo 7 Litri oder der Monteverdi Hai, von dem nur vier Exemplare entstanden.“ Dass diese historischen Superautos die Jubiläumsausgabe der Bremen Classic Motorshow zieren, ist für die Klassikerszene ein echtes Highlight.
Zumal sich auch weitere europäische Traumwagen mit mächtigen V8-Maschinen „Made in USA“ angekündigt haben. Bizzarrini GT Strada 5300, Facel-Vega Facel II oder DeTomaso Pantera sind ebenfalls mit dabei. Aber auch bürgerlichere Typen, die dank Detroits Gusseisenherzen zu raren Hochleistungsexoten avancierten. Etwa der Ford Capri Perana, der in Südafrika einen 5,0-Liter-V8 erhielt. Oder der Kapitän V8, Opels Oberklasse in Buchhalter-Ausstattung, aber mit Corvette-Achtender als General Motors’ Konzernmitgift.
Mit dabei: der Urvater der Spezies Die Saat für diese Spezies brachten Oldsmobile und Cadillac Ende 1948 aus, als sie die ersten V8-Zylinder mit hängenden Ventilen in Großserie lancierten. Chryslers Hemi-V8 mit hemisphärischen Brennräumen folgte 1951. Im selben Jahr orderte Briggs Cunningham, Rennstallbesitzer aus Florida, seinen Jensen Interceptor mit diesem Hochleistungsmotor. Nach den Allard-Rennwagen ab 1950 war das die erste zivile Verwendung eines modernen amerikanischen V8 in einem Luxusauto aus der Alten Welt. Ehrensache, dass dieses legendäre Einzelstück die Sonderausstellung an der Weser bereichert.
Zenit der Granturismo-Kultur 1954 debütierte der französische Facel-Vega FV als erster Serientyp Europas mit US-Achtender, Bristol folgte 1961, Iso Rivolta 1963. Kein Wunder, denn zu dieser Zeit explodierte der Markt für schnelle Luxus-Reisewagen. Vor allem in Italien: 1964, auf dem Höhepunkt des Wirtschaftswunders „Miracolo Economico“ wurde die „Autostrada del Sole“ (Mailand–Rom–Neapel) eröffnet. Und als Ford bei den 24 Stunden von Le Mans 1966 einen historischen Dreifachsieg der schlichten US-Antriebstechnik über die unschlagbaren Ferrari feierte, spöttelte niemand mehr über die „automobilen Spaghetti-Western“.
Von FN bis MV Agusta: Die fantastischen Vierzylinder
Die Anfänge Der Vierzylinder galt lange als technischer Exot, dabei gibt es vierzylindrige Motorräder bereits seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Zunächst entstanden vor allem kultivierte Reisemaschinen für anspruchsvolle Enthusiasten. Besonders in den USA fand die Bauweise früh Verbreitung. In den 1920er- und 1930er-Jahren folgten auch in Europa bemerkenswerte Konstruktionen mit vier Zylindern und mindestens 500 cm³ Hubraum. Vor allen italienische Konstrukteure nutzten die „quattros“, um beeindruckende Rennmaschinen zu erschaffen, die später auch den Weg auf die Straßen fanden und Honda inspirierten.
Der Weg zum Superbike 1965 kündigten gleich zwei außergewöhnliche Motorräder den Wandel an: Der deutsche Konstrukteur Friedel Münch präsentierte seine „Münch-4“ mit einem leistungsstarken Vierzylindermotor aus dem Automobilbau. Im selben Jahr brachte MV Agusta die 600 auf den Markt und übertrug die Technik seines erfolgreichen Rennmotors auf ein Straßenmotorrad. Beide Modelle zeigten, welches Potenzial in der Kombination aus vier Zylindern und hoher Motorleistung steckte.
Den entscheidenden Schritt zum Massenphänomen machte jedoch Ende 1968 Honda mit der CB 750 Four. Erstmals verband ein japanischer Großserienhersteller vier Zylinder mit hoher Leistung, Alltagstauglichkeit und Zuverlässigkeit für eine breite Käuferschicht. Die CB 750 Four leitete damit den Siegeszug des Superbikes ein. Kurz darauf setzte Kawasaki mit der Z 900 neue Maßstäbe bei Leistung und Hubraum.
Sonderschau mit 24 ExponatenVierzylindermaschinen prägten in der Folge die Motorradszene der 1970er- und 1980er-Jahre. Die 24 Motorräder der Sonderschau machen diese Entwicklung unmittelbar erlebbar: von frühen Pionierkonstruktionen und seltenen Exoten bis zu den legendären Superbikes, die den Motorradbau nachhaltig veränderten.